Schreiben

Meine Schreiborte im Wandel

Früher war mein Schreibort festgelegt: Der Schreibtisch.

Schließlich standen dort zunächst meine laute mechanische Schreibmaschine und später mein PC. Wir gut, dass diese Begrenzungen dank Laptop oder Tablet schon längst aufgehoben sind. Und wie schön, dass ich das Schreiben mit der Hand wiederentdeckt habe. 

Samstagmorgen, 9 Uhr. Die Morgensonne scheint auf meinen Balkon. Seit Jahren ist er ein dicht bewachsenes Biotop mitten in der Stadt, eine kleine grüne Lunge jenseits der Balkontür.

Geschrieben habe ich bereits am Frühstückstisch bei einem großen Kaffee, in Stille eines Morgens, an dem alle noch schlafen.

Nun sitze ich in der Sonne, sie scheint morgens und abends auf meinen Balkon, da ist das Licht ohnehin am Schönsten.

Schreiben auf dem Balkon ist aber nicht so einfach bei all der Natur um mich herum, die ich sehen, ansehen, erleben möchte. Es freut mich einfach, hier zu sitzen und mir anzuschauen, was da teils in Dreierreihe wächst und blüht. Mit selbst gestehe ich wenig Platz zu, es reichen ein kleiner Tisch und ein Stuhl inmitten einer grünen Oase.

Ich bilde mir ein, dass die Texte, die ich hier schreibe, anders sind als jene, die ich nicht hier schreibe. Wer weiß.

Dass mir das Schreiben und die Natur und auf meinem Balkon guttun, ist indes unbestreitbar. Ich liebe diesen Schreibort!

Sitzposition beim Schreiben für Perspektivwechsel ändern

Es mag banal klingen: Ich schöpfe viel Kreativität daraus, beim Schreiben nicht immer am gleichen Platz mit der gleichen Aussicht zu sitzen, sondern bewusst den Platz zu wechseln. Auch beim Denken und Überlegen kommen mir die neuen Sichtweisen zugute.

Warum, erkläre ich hier.

1. Ein anderer Blick für andere Stimmung

Der eigene Schreibtisch ist für uns Schreibenden die feste Burg, die Heimat – wie immer man selbst es nennen mag. Und das finde ich auch gut so. Doch immer wieder stelle ich fest, dass die immer gleiche Blickposition in den immer gleichen Raum auch wie eine lähmende Routine sein kann. Das merke ich immer dann, wenn ich z.B. etwas auf dem Pad in einem anderen Raum vorbereite oder bereits schreibe. Mehr unterbewusst als bewusst kommen da manchmal Ideen heraus, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Und so wichtig und wunderbar Routine oder der viel gerühmte »Flow« auch ist: Routine kann auch Denkmuster verfestigen, durch die mir Ideen verloren gehen. Das habe ich schon oft erlebt. In der Küche schreibe und denke ich oftmals ungezwungener, mehr ins Blaue und aufs Geratewohl – was meinen Geschichten häufig nützt. 

2. Blickposition im Raum oder Raum wechseln

Der eigene Schreibtisch ist für uns Schreibenden die feste Burg, die Heimat – wie immer man selbst es nennen mag. Und das finde ich auch gut so. Doch immer wieder stelle ich fest, dass die immer gleiche Blickposition in den immer gleichen Raum auch wie eine lähmende Routine sein kann. Das merke ich immer dann, wenn ich z.B. etwas auf dem Pad in einem anderen Raum vorbereite oder bereits schreibe. Mehr unterbewusst als bewusst kommen da manchmal Ideen heraus, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Und so wichtig und wunderbar Routine oder der viel gerühmte »Flow« auch ist: Routine kann auch Denkmuster verfestigen, durch die mir Ideen verloren gehen. Das habe ich schon oft erlebt. In der Küche schreibe und denke ich oftmals ungezwungener, mehr ins Blaue und aufs Geratewohl – was meinen Geschichten häufig nützt. 

3. Andere Blickwinkel, andere Textsorten

Wenn ich in meiner Küche sitze und schreibe, kommt häufig gar keine Szene dabei heraus oder eine konkrete Textstelle. Vielmehr schreibe ich »für mich«. Ich nenne diese Texte eher »Artikel«. Ich habe gar nicht den Anspruch, sie zu veröffentlichen oder zu verwenden. Fakt ist, dass ich diese Artikel an meinem Schreibtisch so gut wie nie schreibe, sondern an anderen Orten. In der Küche, auf dem Balkon, auf Reisen. Ganz bewusst halte ich sie gar nicht literarisch oder journalistisch. Mir geht es eher darum, schreibend zu denken. Damit löse ich oft Fragen, die mir beim Schreiben selbst gekommen sind und nutze sie auch als Schreibübungen: Kann ich die Dinge überhaupt angemessen in Worte fassen? Ist der Gedanke oder die Idee überhaupt ins sich logisch und sinnvoll? Und welche Sprache brauche ich, um das niederzuschreiben?
Gerade in diesem Punkt ist die veränderte Blickrichtung, -position und der Blickwinkel für mich elementar. Ich schreibe ergebnisoffen einfach drauflos. Das hat mir viele Textstellen eingebracht, aber auch neue Ideen und Gedanken zu Geschichten und Erzählungen.

Natürlich: Diese angesprochenen Punkte können unmöglich für jede/n vollständig oder komplett zutreffend sein – das ist auch ganz in Ordnung so. Wir sind Individuen, wir haben unterschiedliche Bedürfnisse, reagieren anders, brauchen andere Dinge. Es sind vielmehr Denkanstöße, die ich zur Nachahmung dahingehend empfehle, als dass ich sage: Einfach mal ausprobieren. Vielleicht nützt es ja. 

Warum ich im Blog veröffentliche statt auf Plattformen

Wann ist eine Veröffentlichung eine »echte« Veröffentlichung? Diese Frage ist für Schreibende wie mich relevant. Wir, die wir schreiben, schreiben zwar in erster Linie, um zu schreiben – wir tun es für uns, wir tun es wegen uns – aber Publikum wäre dennoch schön. 

Da der Weg in Verlage oder Literaturzeitschriften steinig, langwierig und aus verständlichen Gründen auch oft unmöglich sein mag, bieten sich Plattformen an. Nach dem Motto: Account erstellen, einloggen, publizieren, Leserinnen und Leser finden.

Klingt einfach, verlockend und erfolgversprechend.

Aber ich will dennoch keine Plattform nutzen, sondern meinen eigenen Blog als Plattform verwenden. So sind Erzählungen wie Sag mir, wer du bist, Im Schweigen oder Das Ähm im M.’s Garten in der Nähe von Emsdetten sowie sogar mein kompletter Roman Der Wind von Irgendwo in meinem Blog Das hat verschiedene Gründe:

1. Ich kann enorm schnell veröffentlichen

Bei mir ist es WordPress-Blog, damit kenne ich mich aus. Da es mein eigener Blog ist, überlege ich gar nicht allzu lange, sondern konzentriere mich auf das, was ich tun will: Veröffentlichen – ich stelle online, was, wann und wie ich es möchte. Ich entscheide mich für ein Format selbst, eine Struktur, einen Termin. 

Bloggen mag manchen nicht gut genug sein, um als »veröffentlicht« zu gelten – dabei sehe ich viele Aspekte des »richtigen« Veröffentlichens eher als Ballast. Ich erziele schnell Ergebnisse, indem ich einfach selbst veröffentliche, was, wann und wie ich es möchte. 

Absolut großartig ist es für mich, gerade bei Kurzgeschichten und Erzählungen auf eine ganze Reihe von Texten zurückgreifen zu können, von denen viele bislang auch in Anthologien veröffentlich worden sind – aber ganz ehrlich: Auf meinem Blog erreiche mehr Leserinnen und Leser, denn er hat eine größere Reichweite als manche Plattformen, denn nur weil etwas auf einer Plattform veröffentlicht ist, heißt das nicht, dass die eigenen Texte auch gelesen werden. Wer in einem Genre schreibt, das untypisch für die Plattformen ist, kann unter Umständen mit einer Veröffentlichung dort wenig bis nichts erreichen, wenn die dort vernetzte Leserschaft solche Texte nunmal gar nicht mag. Da fühle ich mich auf meinem eigenen Blog wohler.

2. Die Freiheit, alle Inhalte unter einem Dach zu haben

Nein, ich habe weder vor Verlagen, noch vor Literaturzeitschriften kapituliert. Nein, ich habe mich nicht aufgrund einer oder mehrerer Absagen beleidigt zurückgezogen. Nein, ich reagiere mit meinem Vorgehen nicht auf »etwas«. 

Im Gegenteil:

Es geht mir um nichts anderes als meine persönlich Freiheit in allem, was ich tue. Wenn man das eigene Schreiben als »etwas Eigenes« betrachten kann und will, geht es in erster Linie einmal nur darum: Das Eigene. Und das hat zwei Dimensionen:

Denn ich möchte nicht nur meine Geschichten veröffentlichen, sondern diese auch bei Bedarf mit  zusätzlichen Inhalten anreichern wie begleitende Making-ofs, Hintergrundartikel und Blick in die Schreibstube, hätte ich diese gerne auf der gleichen Plattform wie die Geschichten selbst.

Geschichten wie Artikel sollen parallel laufen und untereinander verlinkt sein. Ein Plattformwechsel bringt aus meiner Sicht lediglich Unvollständigkeit. 

Ich möchte dies unter meinem eigenen Namen auf meinem eigenen Blog tun, der meinen Namen trägt, um so authentisch und persönlich wie möglich zu bleiben – was mir besser möglich ist, wenn ich alle Texte, Artikel und Bilder in meiner eigenen Blog-Plattform anbiete und verwalte.

Außerdem habe ich damit selbst in der Hand, mit welcher Art von Dateien ich meine Artikel und fiktionalen Texte anreichere, wie diese aussehen und welche Form sie haben. Diese Freiheit habe ich auf Plattformen nicht in diesem Maße, sondern muss mich an alle möglichen Regeln und Vorgaben halten, die nicht ich mache, sondern andere. Das ist nicht in meinem Sinne. 

3. Kontrolle über meine Dateien

Ich möchte selbst entscheiden, wem ich meine Texte anvertraue. Denn ich verstehe meine Texte nicht als »Content«, weder meine Artikel, und schon gar nicht mit meinen schriftstellerischen Texte.

Da ich von Texten spreche, die mir wichtig sind, ist es mir auch wichtig, wo ich sie platziere – und damit meine ich die Server und die Rechte, die ich habe bzw. abgebe.

Ganz klar: Die Server für meinen Blog werden in Deutschland betrieben und unterliegen den europäischen Datenschutzrichtlinien. Das war es dann auch schon.

Sie gehören mir, weil ich den digitalen Ort verwalte, an dem ich sie speichere.

Bei Plattformen ist das anders. Da wandern meine Texte auf Server, über die ich keine Kontrolle habe und unterliegen vielleicht Bestimmungen, die ich nicht möchte – und mit denen ich mich erst einmal befassen muss. Für mich ein Unding: Der Cloud Act, mit dem die USA automatisch Zugriff auf meine Daten haben, sobald ich meinen Blog etc. bei einem amerikanischen Unternehmen hoste – dabei spielt es keine Rolle, ob ich bei »der deutschen Tochter« eines US-Unternehmens bin. 

Ich finde das als Gängelung und sogar persönliche Frechheit. Natürlich kann jeder selbst für sich entscheiden, dass es keine Rolle spiele, da man »nichts zu verbergen hat«. Da schlägt in mir das europäische Revoluzzer-Herz in mir, das eine Allergie gegen diese untergeschobenen »Selbstverständlichkeiten« hat. 

Und ich möchte mich auch nicht erst mühsam durch endlose Bestimmungen von Plattformen lesen, um zu erfahren, wer da was mit meinen Daten machen kann – so ist es ja zudem möglich, dass Plattformen Inhalte sperren können, weil man gegen ihre Richtlinien verstößt. Da sträubt sich in mir alles.

4. Monitoring meines eigenen Handelns

Alles, was in meinem eigenen Blog passiert und angeboten wird, kann ich gut monitoren und aufeinander abstimmen. Es stimm natürlich, dass ich auch Inhalte auf anderen Plattformen monitoren kann, allerdings bin ich da auch limitiert. In meinem eigenen Blog unter meiner eigenen Domain profitiere ich selbst am meisten von meinen Artikel, Stories und Kapiteln – nun mag man völlig zu Recht einwenden, dass ein Text von mir auf einer gut gerankten Plattform eine größere Reichweite erzielen könnte, als lediglich als Post in meinem Blog.
Völlig richtig.
Allerdings ist es fraglich, ob diese Reichweite sich auch nennenswert in größerer Leserschaft niederschlägt. Aber das zu beobachten und selbst in der Hand zu haben, ist reizvoll.

Es gibt noch andere Punkte, die ich anführen möchte, spare mir die aber für einen eigenen Artikel auf, auch, um diesen nicht allzu lang werden zu lassen.

Fehler als Glücksfall: Mein Roman „Dickhäuter“ reloaded

Da druckt sie aus: Die neue 2019er-Version meines Romans „Dickhäuter“, den ich ja eigentlich vor Kurzem erst mit neuem Cover erneut als eBook veröffentlicht habe – was ist passiert? 

Manchmal sind Fehler Glücksfälle. Jemand wird mich auf einen Fehler gleich auf Seite 1 hin, der auch in den Vorschauen zu sehen war, und der bislang niemandem aufgefallen war. Ich zog die Veröffentlichung zurück und entfernte den Roman aus allen Shops. Und nahm dies zum Anlass, noch einmal ans Manuskript zu gehen. Es geriet zum Glücksfall.

Ich habe „Dickhäuter“ bereits 2001 geschrieben und bei der letzten Überarbeitung lediglich beschriebene Technologien und Verhaltensweisen angepasst – 2001 war nicht zu ahnen, was mit mobilem Internet und Sozialen Medien über uns kommen sollte …

Doch nun 2019 erkannte ich, dass ich noch mehr ändern musste. Es begann schon auf Seite 1, Kapitel 1 hat nun komplett neue Dialoge, Kapitel 8 und 9 haben sogar neue Szenen. Außerdem strich ich einige Passagen auch einfach ersatzlos und formulierte andere um. Der Ton hat sich verändert und der Dickhäuter hat nun als Person eine Facette hinzu bekommen. Der Roman ist weniger anklagend, dafür differenzierter geworden. Von einer Neuversion kann also wirklich die Rede sein. Und das alles wegen eines Fehlers, den niemand zuvor bemerkt hat. Manchmal muss man für Fehler dankbar sein. Voraussichtlich in eine Woche lade ich ihn wieder hoch, sodass er erhältlich sein wird.

Ich gebe Bescheid.

Geschichten im Turbo-Boost: Schreibprozess und Berlinale

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Warum es mich seit 2006 fast jedes Jahr zur Berlinale zieht, obwohl ich sie stets zu anstrengend finde? Weil sie für mich eine Inspirationsquelle sondergleichen für mein eigenes Schreiben ist.

Das Erweitern und Aufbrechen des eigenen Mindsets ist mir wichtig, und so kehre ich zwar immer völlig erschöpft, manchmal gar entnervt nach Hause zurück, aber auch vollgetankt mit Ideen und Eindrücken, die ich sonst in dieser Dichte und diesem Reichtum nicht bekommen hätte, und von denen ich anschließend noch lange profitiere.

Denn Stoffe, Motive, neue Erzählweisen und Perspektiven: Mehr Unterschiedliches auf engstem Raum als Inspiration und Schulung des eigenen Schreibens ist kaum möglich als auf einem Filmfestival wie die Berlinale. Vor allem ist es eine ungemein abwechslungsreiche Schule der eigenen Wahrnehmung: Was sieht man, was löst ws aus und wie geht man damit um? Gwrade hinsichtlich des bereits erwähnten eigenen Mindsets bin ich immer sehr dankbar für die zahlreichen Erweiterungen, die ich hier erleben darf:

Hier bekommt man zu sehen, was in den meisten Fällen nirgendwo sonst zu sehen sein wird. Mit über 400 Filmen aus aller Herren Länder in zahlreichen Sektionen, die auch wagemutig und experimentell Stoffe entwickeln und ohne finanziellen Druck ganz besondere Geschichten erzählen, kann man innerhalb einer Woche von Ideen und Herangehensweisen förmlich überrollt werden – aber es lohnt sich. Denn die meisten Produktionen erreichen den regulären Kinobetrieb erst gar nicht.

Für mich sind Filme seit jeher hervorragende Schreibschulen. Schnitt, Motiv, Beleuchtung, all diese Handwerkskünste wecken Assoziationen. Häufig geht es mir gar nicht so sehr um die Story an sich, sondern vielmehr um ihre Montage und das, was Bild und Ton bewirken.

Es kommt vor, dass ich mich frage, wie man die Szene imitiert Worten erzählen könnte, und dabei erlebe ich häufig positive Überraschungen.

Ebenso häufig erlebe ich, dass eine bestimmte Einstellung des Grundstein zu einer eigenen Geschichte legt – die mit der Story des Films nichts zu tun hat, sondern mit dem, was mir plötzlich dabei einfällt: Eine Assoziation, ein Charakter, eine Stimmung, ein Gefühl. Und da die Filme eines Filmfestivals häufig den Mainstream verlassen, ihn variieren oder biegen, bin ich mir sicher, sie sonst nicht und vor allem nicht in dieser Konzentration bekommen hätte.

Die Folge: Ein überreicher Fundus an Szenen und Ideen, die sich im Laufe der Zeit zu Erzählung formen und verdichten müssen. Manchmal entsteht daraus ein eigener Text, manchmal reichern sie andere Texte an, schleichen sich ein.

Kehre ich von der Berlinale heim, bin ich so erledigt wie voll. Aber ich zehre lang davon. Weswegen auch die kommenden Berlinalen mit mir rechnen können.

Roman-Tagebuch 1: Ein neuer Roman beginnt

Am Ende wird Nils Frahm der Anfang gewesen sein, dass ich meinen langgehegten Roman letztlich doch wieder in Angriff nahm. Und seit Ende Dezember 2018 wieder schreibe mit dem Wunsch, ihn im Laufe des Jahres 2019 zu beenden.

Jahrelang habe ich ihn immer wieder in Angriff genommen, erste Kapitel geschrieben, habe mit dem Sujet gespielt und vor allem mit der Art und Weise, wie ich diesen Stoff, den ich da plante, transportieren könnte.

Weit gekommen bin ich bei all den Versuchen nie.

Dabei gibt es bereits seit Jahren Musikstücke auch von Frahm selbst – allen voran das sagenhafte „Says“ von seinem Album „Spaces“, die für mich wie ein Soundtrack für eine Verfilmung des Stoffes waren, und es war leicht, mir diese Szenen vorzustellen und sie womöglich recht präzise zu beschreiben.

Doch ein paar Szenen reichen nicht. Mir war zwar klar, was ich wollte, doch fehlte mir stets etwas Entscheidendes:

Das Problem an dem Stoff, an den ich mich nun wieder heranwage, ist das besondere Setting, das ich hier noch nicht näher beschreiben möchte – nur so viel: Es ist eigenwillig und eine erzählerische Herausforderung.

Den Plot einfach niederzuschreiben, ist dabei nicht das Problem, aber es wäre der falsche Ansatz für den Stoff. Die Story hat sich über all die Jahre nicht verändert, steht fest und wartet nur darauf, endlich geschrieben zu werden – aber es muss noch mehr an das Gerüst des Plots, und das sind das Fleisch und die Organe eines Romankörpers, der beweglich ist, anschmiegsam, ästhetisch und besonders. In dem Text muss etwas schweben, etwas klingen, etwas vibrieren, sprachlich wie gedanklich. Das Konzept des Wie ist also das Besondere, nicht das Was, und ich brauchte eine Art Soundtrack zur Gefühlswelt des Protagonisten, die der Roman zum Klingen bringen soll; ohne sie geht es nicht.

Für keinen Roman habe ich so viele vergebliche Anläufe unternommen, habe über Jahre so viele Szenen niedergeschrieben, Notizen gemacht. Das Verbindende war zwar immer in meinem Kopf und Bestandteil meiner Überlegungen, und doch konnte ich es nicht ausdrücken.

Dank Nils Frahm scheint dies nun anders zu sein:

Wäre ich am 30. November 2018 nicht bei seinem Konzert in Karlsruhe gewesen, hätte ich wohl nie mehr mit dem Schreiben des Romans begonnen.

Während ich in der Halle stand und Frahm mit seine Melodien immer weiter ausklappte, einen Klangteppich ausrollte, modifizierte, um Themen kreiste und und variierte, machte es plötzlich in mir „Klick“. Ich stand inmitten all dieser Menschen im Live-Konzert und das war’s. Ohne dass ich vorher an meinen Roman und den Stoff gedacht hatte und wie ein Tabula rasa die Musik auf mich wirken ließ, quoll der Stoff in mir hoch und steht noch immer da. Und wabert, pulsiert, pocht. Ein besonderes Gefühl.

Und es nimmt bereits Gestalt an: Die ersten Seiten des Neubeginns gibt es bereits.  Wie es weitergeht, werde ich im Blog regelmäßig beschreiben.

Ich freue mich.

Meine SF-Erzählung „Schiffe die sich nähern“ als kostenloses eBook

Mit „Schiffe, die sich nähern“ kommt nun eine meiner Science-Fiction-Storys als eBook. In Zukunft kommen noch andere SF-Erzählungen dazu. Worum es geht?
Auf eines Insel lebt der Rest der Menschheit nach einer Alien-Invasion. Hochgerüstet wird man jeden Übernahmeversuch abwehren. Wir begleiten den Soldaten Kent, der am Strand Wache hält, und das Mädchen Kelly, das im Keller kauert – denn es gibt Alarm: Schiffe mit Flüchtlingen nähern sich der Insel. Getrieben von Angst und Misstrauen gegen die Fremden stellt sich die Frage: Soll man die Schiffe anlegen lassen oder zerstören?

„Schiffe, die sich nähern“ hat einige Jahre auf dem Buckel, sie ist mindestens 15 Jahre alt. Ich weiß es nicht mehr. Ich ordne sie um 2004, 2205 ein. Auch kann ich nicht mehr sagen, was mich auf den Gedanken zur Geschichte brachte. In jedem Fall fand ich es reizvoll, eine Geschichte aus mehreren Perspektiven zu schreiben, um Sorgen, Ängste und Zweifel besser darstellen zu können. Denn natürlich geht es hier um Misstrauen, das existienziell geworden ist einer Welt, die von Zerstörung und Vernichtung geprägt ist.
Auch mag ich den Action-Charataker der Story und die Dialogteile.
Gesprochen wird in meinen Geschichten ja eher weniger, vieles läuft im Innern der Köpfe ab – in „Schiffe, die sich nähern“ ist das anders. Hier blickt man ins Ungewisse und sprich darüber. Das bringt ein Tempo in die Geschichte, das ich sonst weniger verwende. Auch die Dialoge beschleunigen die Geschichte sehr. Üblicherweise lasse ich viel Dialog eher in Satiren zu. „Schiffe, die sich nähern“ ist keine, sondern mehr oder weniger klassische Science-Fiction.
Zur Sicience-Fiction habe ich seit jeher eine enge Verbundenheit, die ersten meiner Geschichten und auch meine ersten Romane, die aus gutem Grund unveröffentlicht sind, waren Science Fiction. Ich liebe dieses Genre. Da ist es schon erstaunlich, dass ich in vielen Jahren so wenig Science Fiction schrieb. Aber das hat seine Gründe. Aber dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Vorerst sage ich nur:
Viel Spaß beim Lesen:

eBook für Leser mit tolino, Kobo im EPUB-Format kostenlos downloaden:
Schiffe, die sich nahern: SF-Erzählung von Oliver Koch

ebook für Leser mit Kindle und anderen Geräten im MOBI-Format kostenlos downloaden:
Schiffe die sich nahern: SF-Erzählung von Oliver Koch

Matthias Falke im Interview in Kochs Kultur-Küche

Über 70 Bücher. Science-Fiction-Romane, Tagebücher, Bücher zur Musik. Preisträger des Deutschen Science Fiction Preises: Matthias Falke ist ein Tausendsassa und ein unermüdlicher Schriftsteller.
Vor kurzem hatte ich den sympathischen Autor aus Karlsruhe bei mir Kochs Kultur-Küche zu Gast. Gemeinsam plauderten wir über sein Schreiben, seine Bücher und seine Pläne. Darin erzählt er über seine Liebe zur Science Fiction, verrät, ob er mehr Fan von Star Trek oder Star Wars ist – und natürlich nicht zuletzt über seine diversen Buchprojekte wie beispielsweise seine große SF-Reihe Enthymesis.
Wir sprechen auch über seine besondere Beziehung zur klassischen Musik wie zum Theater – denn auch hier hat Falke einiges zu bieten.
Für Boa Esperanca erhielt er den Deutschen Sience Fiction Preis 2010 für die beste Erzählung des Jahres – nominiert wurde er zudem für den Kurt Laßwitz Preis.
Seine Bücher erscheinen im Wurdack-Verlag, Begedia Verlag, Atlantis Verlag, Amrûn Verlag und weiteren – sie sind als Buch und eBook erhältlich.

Matthias Falke lebt als freier Schriftsteller in Karlsruhe und ist auch häufig auf Buchmessen anzutreffen.

Hemingwrite – die neue alte Art, zu schreiben

Nein, sie stirbt doch nicht aus: Die gute alte Schreibmaschine. Das beweist Hemingwrite, eine Schreibmaschine, die – natürlich – auch noch mehr ist. Hemingwrite überträgt die Funktionalität einer alten Schreibmaschine in die heutige Zeit, so dass ein kleiner papierweißer Monitor als Papierersatz dient. Und selbstverständlich muss und kann man die Texte elektronisch speichern. Doch interessant machen Hemingwrite nicht die technischen Features, sondern vielmehr das Konzept des Schreibens, das dahintersteckt. Denn Hemingwirte besinnt und reduziert sich.

Der Begriff „retro“, der auch Hemingrwite anhaftet, reicht bei Weitem nicht aus.
Es geht um das Schreiben an sich, um die Natur des Verfassens. Sie gedeiht eben nicht in der Fülle von Funktionen und technischer Finessen, sondern dort, wo von Technik und Bedienung eben keine Rede mehr ist.
Wie ich erst kürzlich in einem Blogartikel schrieb, sind Schreibende inzwischen nicht nur von Tools umgeben, sondern von Diskussionen über deren Bedienung – Tekkies kapern alle Bereiche, wo sie oft nicht hingehören. So wundert es nicht, dass erstaunlich viele Schreibende wie Blogger, Texter, Journalisten oder Schriftsteller, nach wie vor auf das vollkommen analoge Notizbuch schwören.

Das Analoge ins Digitale zu bringen, ist ein Verdienst von Hemingwirte: Technik für den Einsatz, nicht den Einsatz für die Technik. Eine Reduzierung auf ein Wesentliches, das sich langsam wieder selbst wahrnimmt im Wust der Anwendungen.
Technik macht es vermeintlich einfach: Indem sie einem vorgaukelt, man habe etwas erreicht, wenn man sie beherrscht, wiegt sie einen in trügerischer Sicherheit. Dabei ist Schreibenden die verwendete Technik in erster Linie einmal egal. Sollte es auch, denn sie schreiben. Und ein versierter Benutzer eines Programms kann beim Schreiben nach wie vor ein untalentierter Depp sein.
Diese Wahrnehmung der eigentlichen Kompetenz und des initialen Wesens dessen, was man tun will, ist wichtiger als je zuvor. Denn es richtet sich wieder dem zu, was man eigentlich tun will und nicht, wie man es tun will. Das ist nicht nur eine Konzentration, sondern eine bewusste Ausklammerung von Störfeuer – die Vermeidung von Zeitverschwendung also.
Mit Heminwrite ist also nichts anderen als das Schreiben und das Festhalten des Geschriebenen möglich – nur statt auf Papier digital.
Das ist zu schön, um wahr zu sein? Leider ja: Denn Hemingrwite ist zunächst nicht mehr als Konzept, dem noch kein verfügbares Produkt folgt.
Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Das Team von Hemingrwite jedenfalls macht über Website, Blog und soziale Medien einiges, um auf ihr Projekt aufmerksam zu machen – das ist schon einmal geglückt, denn immer mehr Medien und Blogs befassen sich mit Hemingwrite.
So ist zu hoffen, dass eines Tages die Rückkehr zur guten alten – und doch ganz neuen – Schreibmaschine mit ihren Tugenden der Redutkion mehr sein wird als ein frommer Wunsch.

Schreiben und Werkzeuge

Wie den neuen Roman schreiben? Die Frage klingt einfacher, als sie ist – und eben das ist das Absurde an ihr. Denn ich stelle mir derzeit diese Frage eher mit dem Blick auf das ideale Tool. Da haben wir das absurde Wort: Tool. Mit dem Schreiben verhält es sich normalerweise so: Man hat einen Stoff und man schreibt. Mit der Tastatur, der Schreibmaschine, der Hand. In der Regel sind dies einfache Entscheidungen. Die Wahl eines Textverarbeitungsprogramms stellt sich noch. Aber auch dies ist eher kein Hindernis für das Schreiben an sich, und mal ehrlich, wir wollen doch genau das: Schreiben. Arbeiten mit Stoffen, Motiven, Charakteren. An Techniken des Schreibens feilen.

Und jetzt? Stolperte ich über die Frage, ob ein Programm wie Scrivener etwas für mich sei. Man liest ja viel darüber. Und ja, es klingt schon gut, so professionell. Was man damit alles tun kann. Eine Gratis-Testversion ist zudem auch nicht weit.

Womit ich zu meiner Frage komme: Ist es nicht lästig, sich damit zu befassen, mit welchem Programm man schreibt? Hindert es nicht am eigentlichen Schreiben, am eigentlichen Erarbeiten einer Story, eines Inhalts?

Nichts gegen Scrivener, auch wenn ich es letztlich nicht verwenden werde. Aber ich spürte recht schnell, dass mich das Beschäftigen mit dem Tool vom Eigentlichen ablenkte, dass sich mein Fokus verschob weg vom Schreiben hin zum Bedienen – und gibt es nichts Unmündigeres, Schlimmeres, als lediglich ein Bediener von etwas zu sein?

Während ich mich also mit Scrivener zu beschäftigen begann und ich mich durchklickte, im Internet nach deutschsprachigen Anleitungen suchte (fast hätte ich wie selbstverständlich „Tutorials“ geschrieben) und versuchte, mich einzufinden, stellte ich für mich fest: Nein. Nein, ich will das nicht. Es war und ist mir zu umständlich, mich mit einem Instrument zu beschäftigen. Ich wollte all die Dinge auch gar nicht lesen, die andere über das Programm geschrieben haben. Keine Hinweise suchen, dass und ob und wie das Programm für mich sinnvoll sein könnte.

Noch etwas fiel mir auf: Wie sehr und wie viel mittlerweile darüber geschrieben wird, wie man ein Programm ZUM Schreiben bedient. Statt darüber zu schreiben WIE man SCHREIBT. Vieles liest sich mittlerweile nur noch wie technische Beschreibungen von etwas, von dem ich das dumpfe Gefühl habe, dass es mit dem Schreiben an sich gar nichts zu tun hat.

Was mich zur Frage brachte: Muss man denn eigentlich zwangsläufig hinterfragen, ob die Art und das Programm, mit der und mit dem man arbeitet, überhaupt heutzutage noch zeitgemäß ist? Muss man sich hinterfragen, ob man nicht doch einmal etwas Neues ausprobieren sollte? Und zuletzt: Muss man das Gefühl haben, dass ein anderes, neues, professionelles Werkzeug aus einem einen besseren Schreiber macht und bessere Texte ermöglicht? 
Dann ist doch das Hinterherjagen danach eher eine Illusion, eine Kanalisierung der Beschäftigung damit, wie man sich selbst als Schreiber wahrnimmt und wie man zu seinen Texten und seiner Arbeit damit steht. Es wäre doch ein Irrglaube, dass ein Programm uns besser macht, und was soll überhaupt dieser Wesenszug, sich immer nicht nur zu hinterfragen, sondern wie selbstverständlich als unkomplett anzusehen und uns deshalb auf die Suche nach etwas zu begeben, was uns besser, klüger, kurz: kompletter macht?

Ganz sicher mag Scrivener ein ausgezeichnetes Werkzeug sein, das auch berechtigterweise viele Anwender gefunden hat. Dennoch steht die Frage im Raum, ob die generelle Auseinandersetzung mit neuen Tools nicht eher das eigentlich Schreiben stört, weil es ablenkt und Energie auf ein dumpfes Bedienen von etwas lenkt. Und ob es letztlich nützt. Zum Schluss bleibt nur die Antwort, die man für sich selbst findet, und ich habe meine gefunden. Sie lautet ganz einfach: Nein.

Farewell, Fremdwörterbuch – Ein Abschied

Farewell, FremdwörterbuchEinem jahrelang treuen Begleiter gab ich nun offiziell den Laufpass – dabei hat es mir seit Schulzeiten treu zur Seite gestanden: Das Fremdwörterbuch.
Nun ist es überflüssig geworden und auch (seien wir ehrlich) auch irgendwie antiquiert. Beim Lesen anderer Bücher auf ein Wort zu stoßen, das es zu klären gilt, verlangt nach schnellem Zugriff, und wer schleppte schon das Fremdwörterbuch als Beigabe mit auf Reisen?
 Da ist das Smartphone inzwischen einfach praktischer. Vor allem, weil es Keep Reading