Geschichten im Turbo-Boost: Schreibprozess und Berlinale

Warum es mich seit 2006 fast jedes Jahr zur Berlinale zieht, obwohl ich sie stets zu anstrengend finde? Weil sie für mich eine Inspirationsquelle sondergleichen für mein eigenes Schreiben ist.

Das Erweitern und Aufbrechen des eigenen Mindsets ist mir wichtig, und so kehre ich zwar immer völlig erschöpft, manchmal gar entnervt nach Hause zurück, aber auch vollgetankt mit Ideen und Eindrücken, die ich sonst in dieser Dichte und diesem Reichtum nicht bekommen hätte, und von denen ich anschließend noch lange profitiere.

Denn Stoffe, Motive, neue Erzählweisen und Perspektiven: Mehr Unterschiedliches auf engstem Raum als Inspiration und Schulung des eigenen Schreibens ist kaum möglich als auf einem Filmfestival wie die Berlinale. Vor allem ist es eine ungemein abwechslungsreiche Schule der eigenen Wahrnehmung: Was sieht man, was löst ws aus und wie geht man damit um? Gwrade hinsichtlich des bereits erwähnten eigenen Mindsets bin ich immer sehr dankbar für die zahlreichen Erweiterungen, die ich hier erleben darf:

Hier bekommt man zu sehen, was in den meisten Fällen nirgendwo sonst zu sehen sein wird. Mit über 400 Filmen aus aller Herren Länder in zahlreichen Sektionen, die auch wagemutig und experimentell Stoffe entwickeln und ohne finanziellen Druck ganz besondere Geschichten erzählen, kann man innerhalb einer Woche von Ideen und Herangehensweisen förmlich überrollt werden – aber es lohnt sich. Denn die meisten Produktionen erreichen den regulären Kinobetrieb erst gar nicht.

Für mich sind Filme seit jeher hervorragende Schreibschulen. Schnitt, Motiv, Beleuchtung, all diese Handwerkskünste wecken Assoziationen. Häufig geht es mir gar nicht so sehr um die Story an sich, sondern vielmehr um ihre Montage und das, was Bild und Ton bewirken.

Es kommt vor, dass ich mich frage, wie man die Szene imitiert Worten erzählen könnte, und dabei erlebe ich häufig positive Überraschungen.

Ebenso häufig erlebe ich, dass eine bestimmte Einstellung des Grundstein zu einer eigenen Geschichte legt – die mit der Story des Films nichts zu tun hat, sondern mit dem, was mir plötzlich dabei einfällt: Eine Assoziation, ein Charakter, eine Stimmung, ein Gefühl. Und da die Filme eines Filmfestivals häufig den Mainstream verlassen, ihn variieren oder biegen, bin ich mir sicher, sie sonst nicht und vor allem nicht in dieser Konzentration bekommen hätte.

Die Folge: Ein überreicher Fundus an Szenen und Ideen, die sich im Laufe der Zeit zu Erzählung formen und verdichten müssen. Manchmal entsteht daraus ein eigener Text, manchmal reichern sie andere Texte an, schleichen sich ein.

Kehre ich von der Berlinale heim, bin ich so erledigt wie voll. Aber ich zehre lang davon. Weswegen auch die kommenden Berlinalen mit mir rechnen können.

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