Schreiben und Werkzeuge

Wie den neuen Roman schreiben? Die Frage klingt einfacher, als sie ist – und eben das ist das Absurde an ihr. Denn ich stelle mir derzeit diese Frage eher mit dem Blick auf das ideale Tool. Da haben wir das absurde Wort: Tool. Mit dem Schreiben verhält es sich normalerweise so: Man hat einen Stoff und man schreibt. Mit der Tastatur, der Schreibmaschine, der Hand. In der Regel sind dies einfache Entscheidungen. Die Wahl eines Textverarbeitungsprogramms stellt sich noch. Aber auch dies ist eher kein Hindernis für das Schreiben an sich, und mal ehrlich, wir wollen doch genau das: Schreiben. Arbeiten mit Stoffen, Motiven, Charakteren. An Techniken des Schreibens feilen.

Und jetzt? Stolperte ich über die Frage, ob ein Programm wie Scrivener etwas für mich sei. Man liest ja viel darüber. Und ja, es klingt schon gut, so professionell. Was man damit alles tun kann. Eine Gratis-Testversion ist zudem auch nicht weit.

Womit ich zu meiner Frage komme: Ist es nicht lästig, sich damit zu befassen, mit welchem Programm man schreibt? Hindert es nicht am eigentlichen Schreiben, am eigentlichen Erarbeiten einer Story, eines Inhalts?

Nichts gegen Scrivener, auch wenn ich es letztlich nicht verwenden werde. Aber ich spürte recht schnell, dass mich das Beschäftigen mit dem Tool vom Eigentlichen ablenkte, dass sich mein Fokus verschob weg vom Schreiben hin zum Bedienen – und gibt es nichts Unmündigeres, Schlimmeres, als lediglich ein Bediener von etwas zu sein?

Während ich mich also mit Scrivener zu beschäftigen begann und ich mich durchklickte, im Internet nach deutschsprachigen Anleitungen suchte (fast hätte ich wie selbstverständlich „Tutorials“ geschrieben) und versuchte, mich einzufinden, stellte ich für mich fest: Nein. Nein, ich will das nicht. Es war und ist mir zu umständlich, mich mit einem Instrument zu beschäftigen. Ich wollte all die Dinge auch gar nicht lesen, die andere über das Programm geschrieben haben. Keine Hinweise suchen, dass und ob und wie das Programm für mich sinnvoll sein könnte.

Noch etwas fiel mir auf: Wie sehr und wie viel mittlerweile darüber geschrieben wird, wie man ein Programm ZUM Schreiben bedient. Statt darüber zu schreiben WIE man SCHREIBT. Vieles liest sich mittlerweile nur noch wie technische Beschreibungen von etwas, von dem ich das dumpfe Gefühl habe, dass es mit dem Schreiben an sich gar nichts zu tun hat.

Was mich zur Frage brachte: Muss man denn eigentlich zwangsläufig hinterfragen, ob die Art und das Programm, mit der und mit dem man arbeitet, überhaupt heutzutage noch zeitgemäß ist? Muss man sich hinterfragen, ob man nicht doch einmal etwas Neues ausprobieren sollte? Und zuletzt: Muss man das Gefühl haben, dass ein anderes, neues, professionelles Werkzeug aus einem einen besseren Schreiber macht und bessere Texte ermöglicht? 
Dann ist doch das Hinterherjagen danach eher eine Illusion, eine Kanalisierung der Beschäftigung damit, wie man sich selbst als Schreiber wahrnimmt und wie man zu seinen Texten und seiner Arbeit damit steht. Es wäre doch ein Irrglaube, dass ein Programm uns besser macht, und was soll überhaupt dieser Wesenszug, sich immer nicht nur zu hinterfragen, sondern wie selbstverständlich als unkomplett anzusehen und uns deshalb auf die Suche nach etwas zu begeben, was uns besser, klüger, kurz: kompletter macht?

Ganz sicher mag Scrivener ein ausgezeichnetes Werkzeug sein, das auch berechtigterweise viele Anwender gefunden hat. Dennoch steht die Frage im Raum, ob die generelle Auseinandersetzung mit neuen Tools nicht eher das eigentlich Schreiben stört, weil es ablenkt und Energie auf ein dumpfes Bedienen von etwas lenkt. Und ob es letztlich nützt. Zum Schluss bleibt nur die Antwort, die man für sich selbst findet, und ich habe meine gefunden. Sie lautet ganz einfach: Nein.

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