Mein Buchladen und ich

Ja, ich liebe es, in den Buchladen zu gehen. Ich sage bewusst „in den“ und meine es stellvertretend für alle Buchläden.
Ich möchte dabei gar nicht damit anfangen, über den Geruch von Papier und all diesem für mich eher esoterisch aufgeheizten Getöse zu reden, auch wenn ich den Geruch von Papier in Buchhandlungen durchaus schätze.
Es geht mir auch weniger um die Beratung, die ich dort erhalte, da ich in den wenigsten Fällen auf Beratung angewiesen bin und sie beim Stöbern meist auch ausdrücklich nicht wünsche.
Meines Erachtens gehört das Buch in ein Geschäft. In einen eigens dafür angelegten und eingerichteten Raum. Schon bei Bücherecken in Supermärkten, die wie große Stände für Obst und Gemüse Bücher feilbieten, bekomme ich Probleme dahingehend, dass ich mich darin nicht wohl fühle. Dies ist – natürlich nur nach meinem eigenen Befinden – einfach nicht der richtige Ort für Bücher. Sie sind dort Ware, und nicht Wert.
In Buchhandlungen ist genau dies anders. Natürlich ist es illusorisch zu glauben, in der Buchhandlung sei das Buch keine Ware, natürlich ist sie das. Aber eben auch Wert. Es ist der Wert an der Arbeit, an den Gedanken und der Arbeit der Autoren, aber vor allem der Wert der Zeit, die ich mit den Büchern verbringen möchte. Ja, ich kann sagen, dass Buchhandlungen diese Arten umbauter Räume sind, in denen ich ganz bei meinem Behagen sein kann, das ich empfinde, wenn ich das Buch lesen werde. Eine Buchhandlung ist für mich dahingehend ein Vorschuss auf das, was mich erwartet.
Dies ist im Übrigen ein sehr privater Aspekt der Empfindung. Mehr als ein Hobby an sich, ist mir die Zeit mit einem Buch wichtig, wichtiger als jene Zeit, die ich anderweitig verbringen könnte, wenn ich nicht lese.
Man kann also sagen, dass der Besuch einer Buchhandlung und damit das Betreten des für einen für Bücher geschaffenen Raum eine Beschäftigung mit mir selbst ist. Wenn ich an den Büchertischen und den Regalen entlangschlendere, Titel greife, umdrehe, mich mit Klappentext und Haptik beschäftige, ist dies ein ungemein intimer Vorgang, ein Empfinden. Dieses Empfinden ist äußerst intim, und ich meine damit nicht rein die taktilen Vorgänge des Greifens und Blätterns. Wie oft kommt es vor, dass man das Personal fragt, ob es nicht die Zelophanhülle entfernen könne, damit man mehr zu sehen und zu greifen hat. 
Was hier passiert, ist ein Akt der Aneignung, nicht nur mit den taktilen Sinnen, sondern auch mit den geistigen. 
In einem Supermarkt ist mir dies kaum möglich, hier stimmen Licht und Laut nicht, hier gibt es Unterbrechungen, die ich nicht erwarte und nicht will.
Zugegeben, das ist eigen von mir. Aber so ist es halt, ich kann es nicht ändern. Und muss es übrigens auch nicht.
Das Betreten einer Buchhandlung ist für mich die Einladung, neugierig zu sein, ganz bei der Beschäftigung mit dem Wert Buch an sich, nicht mit der Ware als solcher. Ich fühle mich hier ernst genommen, weil ich weiß, dass dieser Raum eigens für mein Interesse und meine Neugier geschaffen wurde.
So lasse ich mir Bücher in Buchhandlungen liefern. Ja, ich bestelle sie häufig online, aber abholen und bezahlen, das sind Akte, die ich in der Buchhandlung persönlich erledige. Ja, es geht bequemer, wenn es zu mir nach Hause käme.
Allerdings ist die Bequemlichkeit ein Trugschluss. Passt das Buch nicht in den Briefkasten – und das ist plus Verpackung schnell geschehen – werden ohnehin wieder Sendungen daraus, die ich abholen muss. Packstation? Praktisch natürlich. Jedoch fahre ich zu ihr ebenso weit wie zu der nächsten Buchhandlung, ein Glück, ich weiß, ein Privileg, vielleicht. Mir ist es lieber, der Buchhändler um die Ecke, ob nun für mich gut sortiert oder nicht, erhält meinen Namen für sein System mit meinen Bestellungen als Online-Versandhäuser (die ich übrigens nicht pauschal verteufeln möchte).
Mein Name und meine Anschrift geistern je nach Wohnsituation von einer Buchhandlung zur nächsten. Die nächstgelegene hat gewonnen. Sicher, beim Bummeln in der Stadt kann ich an andere Buchhandlungen geraten und somit an Bücher, die ich direkt dort kaufe. Ein Widerspruch ist das für mich nicht.
Ich empfinde schlichtweg Freude dabei, in die bsagten eigens geschaffenen Räume zu treten und mich dort angemessen auseinandersetzen mit dem, was mir lieb und wichtig ist. Ich werde sie betreten, mein bestelltes Buch kaufen und das Gefühl haben, in „meiner“ Buchhandlung zu stehen.
Mehr Aneignung als dieses Gefühl: Das geht nicht. 

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