Die Deutschen sind anders als ihre Filme

Die Deutschen sind anders als die Filme, die sie drehen. Diese werden gedreht von Menschen, die nichts zu erzählen haben und produziert von Menschen, die ihr Geld schon im Sack haben. Die Filmforderung macht’s möglich. Da gibt es nichts zu befürchten in dieser Sphäre, da gibt es keine Misserfolge oder Flops. Diese Filme sind billig und müssen kein Publikum finden, das dafür bezahlt. Sie dienen den Eingeladenen auf Premieren und Festen als Treffpunkt fürs Netzwerken.

Und irgendwann kommen sie im Fernsehen. Spätabends mitten in der Woche oder in einem Spartkenkanal. Da kann er stolz auf sich sein, der deutsche Film und seine Macher. Er ist anders als die Deutschen. Er ist anders als ein Publikum. Denn beiden muss er sich nicht stellen.

Die Deutschen sind anders als ihre Filme, und man möchte „Gott sei Dank“ rufen. Und so gut, wie seine Verteidiger ihn machen wollen, ist er nicht. Schon gar nicht ambitioniert. Er ist müde, farblos und träge, und wenn die Schweigers und Schweighöfers Geld einspielen, dann wohl deshalb, weil sie den Titel „deutscher Film“ nicht brauchen, sie würden auch international funktionieren.

Die Deutschen sind anders als ihre Filme, denn sie finden diese Filme gar nicht. Vermarktung haben diese Filme nicht nötig. Und wenn sie 1000 Zuschauer hatten, klopft man sich auf die Schulter.

Franzosen würden sich die Blöße solcher Filme nicht geben. Sie sind choreographiert, nicht einfahc abgefilmt wie die deutschen, sie erzählen, anstatt einfach zu zeigen. Sie haben die angezogene Bremse nicht nötig.

Reden wir gar nicht erst über die Briten. Ihr Kino ist meisterhaft, weil es erzählt. Weil auch hier inszenatorische Größe erkennbar ist – den Deutschen ist das peinlich. Was aussieht wie Kino, könnte gelackt sein, das ist nicht schäbig, billig genug. Nicht authentisch. Und das sieht im Fernsehen später vielleicht größer aus, als es wirklich ist, wie unangenehm. Also drehen wir lieber Filme, die nie jemand sieht und auch im Ausland belanglos sind.

Die Deutschen sind anders als ihre Filme, und das ist gut so. Es ist einfach, das deutsche Kino mit seiner fördertopfgeförderten Pulbikumsverachtung nicht zu mögen.

Bei den Deutschen wäre das schon schwieriger.

Seien wir also froh darüber, dass die Deutschen anders sind als die Filme, die sie drehen. Wir müssten uns sonst für uns schämen.

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