Oliver Koch: Dickhäuter – Mein Roman als Ebook

Künstlerroman? Die Geschichte einer Depression? Kapitalismus- und Kulturkritik?

Bereits seit dem Jahr 2000 existiert mein Roman Dickhäuter.

Damals schrieb ich Dickhäuter in einer schweren Phase innerhalb von nur einer Woche. Die Tage verliefen stets auf gleiche Weise: Aufstehen, frühstücken, ran an die Tastatur. So schrieb ich im Schnitt mehr als ein Kapitel pro Tag.

Um was geht es in Dickhäuter?
Der Roman handelt von Markus, dessen Bindung zum Leben sich mehr und mehr auflöst: Er versteht im wahrsten Sinne des Wortes die Welt nicht mehr, die nur noch aus Marketing-Parolen und Oberflächlichkeit zu bestehen scheint.
Trost und Ausdruck findet er lediglich in seiner Malerei, in der er auch der Instanz ein Gesicht gibt, die sein Leben beherrscht: Die „Schwarze Majestät“, mit der er seine verarbeitet.

Und obwohl er alles hat, hält ihn auch seine Liebe zu seinem Freund nicht vor seinem Fall, den er als Künstler zum Programm erklärt: Er wird zu einem Dickhäuter: Einem Menschen, der sich für das eigene Leben ein derart dickes Fell antrainieren musste, dass er nichts mehr spürt.

Vor diesem Hintergrund zieht er sein Programm bis zum bitteren Ende durch. Und findet damit zu Ausdruck, Erlösung und Bestimmung.

Der Künstler, das Leben und das Scheitern: Dickhäuter und die zerstörerische Macht des Kapitalismus
Mich hat an diesem Stoff das Scheitern interessiert: Scheitert er wirklich? Und wenn ja, als Mensch? Als Künstler? Oder scheitern er als Mensch, aber erlangt dadurch als Künstler ein einzigartiges Programm? Was heißt Scheitern überhaupt?

Dann ist da natürlich die massive Kritik an unserer Welt:→ weiterlesen

Meine Erzählung „Inventar“ von Oliver Koch als kostenloses eBook

Ich gebe zu, „Inventar“, die einer meiner Lieblingsgeschichten ist, lästert ein wenig. Wer kennt sie nicht, diese Personen, von denen man das Gefühl hat, sie nähmen nicht am Leben teil? Vornehmlich begegnet man solchen Menschen in der Firma.
Deshalb ist auch „Inventar“ in einer nicht näher genannten Firma angesiedelt. Da sitzt Cordula, jahraus, jahrein, arbeitet vor sich hin, und stellt eines Tages fest, dass etwas mit ihrem Umfeld nicht mehr stimmt: Denn wo die Firma eigentlich auf einmal hin, in der sie die ganze Zeit zu sitzen glaubt?
Sie könnt es wissen, wenn sie von ihrem Umfeld einfach mehr Notiz genommen hätte.
Klar ist „Inventar“ eine Satire und deshalb auch auf skurille Komik angelegt. Andererseits sind mir in meinem Berufsleben durchaus Menschen begegnet, die in gewisser, abgeschwächter Weise, unserer Cordula nahe kommen.
Mir hat das Schreiben jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, und ich hoffe, es macht auch Spaß, „Inventar“ zu lesen.

eBook „Inventar“ für Leser mit tolino, Kobo im EPUB-Format kostenlos downloaden:
Inventar – Erzählung von Oliver Koch

ebook „Inventar“ für Leser mit Kindle und anderen Geräten im MOBI-Format kostenlos downloaden:
Inventar – Erzählung von Oliver Koch

Die Lüge aller Sorrys

Das tut mir aber leid/Wir entschuldigen uns/Kommt nicht wieder vor – Was aussieht wie ein sich verbreitender Hang zur Höflichkeit und Demut ist vielmehr Indikator für die Unsitte, sich zunächst zu viel erlaubt zu haben. Die Entschuldigung für Vergehen ist dabei kein Zeichen von Demut, sondern eine Reaktion auf den öffentlichen Druck, den man sich durch diese Geste offensiv zu nehmen versucht. Ein Ziehen aus einer Affäre, bei der man erwischt worden ist.
Das entwertet den wahren Wert einer Entschuldigung und damit eine sittliche Veranlagung, die selbstverständlich sein sollte. Auf den Stand eines bloßen Tricks degradiert, vergeht niciht nur das Tugendhafte in dem Akt der Entschuldigung, sondern auch das in dem sittlichen Verhalten, sich gar nicht erst entschuldigen zu müssen.
Das Fehlen von Scham und Unrechtsbewusstsein ist überall zu verorten und wird gerade öffentlich zur Normalität: In Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Wer immer im Fernsehen rumpöbelt, entzieht sich schon dadurch meist der Verpflichtung zur Reue, weil zahlreiche Gleichgesinnte gern mit Begriffen wie „Spaßbremsen“ am Werk sind. Reue und Benehmen als Indikator von Langeweile.

Verantwortliche von Krisen machen weiter, als wäre nichts gewesen und suchen sich entweder neue, ähnlich gelagerte Wirkungsfelder, oder können einfach ihren Job fortführen.
Politiker lassen sich zunächst bitten und schließlich in die Ecke drängen, bevor sie Anstand walten lassen – nachdem sie durch ihr reuwürdiges Verhalten bereits allen Anstand haben vermissen lassen.
Unternehmen geben zu, Daten nicht zu löschen oder ungefragt zu sammeln und zu verwerten – kommt es heraus, entschuldigen sie sich und geloben Besserung.

Entschuldigungen also als Beweis von Sitte und Anstand?

Eher eine Notlösung inzwischen, die marktschreierisch dazu dienen soll, durch sie öffentlich Werbung für sich zu machen.

Ein Armutszeugnis dem, der so handelt.
Eine Blamage für den, der ihnen glaubt.
Eine Warnung an alle.

Dieser Text erschien bereits in meinem Blog www.gedankenzirkus.de im Jahr 2012.

Meine SF-Erzählung „Schiffe die sich nähern“ als kostenloses eBook

Mit „Schiffe, die sich nähern“ kommt nun eine meiner Science-Fiction-Storys als eBook. In Zukunft kommen noch andere SF-Erzählungen dazu. Worum es geht?
Auf eines Insel lebt der Rest der Menschheit nach einer Alien-Invasion. Hochgerüstet wird man jeden Übernahmeversuch abwehren. Wir begleiten den Soldaten Kent, der am Strand Wache hält, und das Mädchen Kelly, das im Keller kauert – denn es gibt Alarm: Schiffe mit Flüchtlingen nähern sich der Insel. Getrieben von Angst und Misstrauen gegen die Fremden stellt sich die Frage: Soll man die Schiffe anlegen lassen oder zerstören?

„Schiffe, die sich nähern“ hat einige Jahre auf dem Buckel, sie ist mindestens 15 Jahre alt. Ich weiß es nicht mehr. Ich ordne sie um 2004, 2205 ein. Auch kann ich nicht mehr sagen, was mich auf den Gedanken zur Geschichte brachte. In jedem Fall fand ich es reizvoll, eine Geschichte aus mehreren Perspektiven zu schreiben, um Sorgen, Ängste und Zweifel besser darstellen zu können. Denn natürlich geht es hier um Misstrauen, das existienziell geworden ist einer Welt, die von Zerstörung und Vernichtung geprägt ist.
Auch mag ich den Action-Charataker der Story und die Dialogteile.
Gesprochen wird in meinen Geschichten ja eher weniger, vieles läuft im Innern der Köpfe ab – in „Schiffe, die sich nähern“ ist das anders. Hier blickt man ins Ungewisse und sprich darüber. Das bringt ein Tempo in die Geschichte, das ich sonst weniger verwende. Auch die Dialoge beschleunigen die Geschichte sehr. Üblicherweise lasse ich viel Dialog eher in Satiren zu. „Schiffe, die sich nähern“ ist keine, sondern mehr oder weniger klassische Science-Fiction.
Zur Sicience-Fiction habe ich seit jeher eine enge Verbundenheit, die ersten meiner Geschichten und auch meine ersten Romane, die aus gutem Grund unveröffentlicht sind, waren Science Fiction. Ich liebe dieses Genre. Da ist es schon erstaunlich, dass ich in vielen Jahren so wenig Science Fiction schrieb. Aber das hat seine Gründe. Aber dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr.

Vorerst sage ich nur:
Viel Spaß beim Lesen:

eBook für Leser mit tolino, Kobo im EPUB-Format kostenlos downloaden:
Schiffe, die sich nahern: SF-Erzählung von Oliver Koch

ebook für Leser mit Kindle und anderen Geräten im MOBI-Format kostenlos downloaden:
Schiffe die sich nahern: SF-Erzählung von Oliver Koch

Meine Erzählung „Nach Nirgendwo“ als kostenloses eBook

Ganz sicher hätte unser Protagonist von „Nach Irgendwo“ nicht damit gerechnet, dass ihm so etwas passieren würde; denn eigentlich hat er nur früher Feierabend und sich früher als sonst auf den Heimweg gemacht. Klar, der Popel in seiner Nase stört ihn, und man weiß ja, wie sehr man gerade dann beobachtet wird, wenn man es nicht ahnt. Aber was soll man machen, wenn man an der Haltestelle steht und auf seine Bahn wartet?
Man fügt sich in sein Schicksal.

„Nach Nirgendwo“ habe ich als mysteriöse Geschichte gleich auf dem Cover gekennzeichnet. Ein klein wenig möchte ich ja, dass der Leser, wenn er sich schon keine Vorstellung von dem machen kann, was passiert, zumindest ahnt, was da in etwa auf ihn zukommt.

Die Geschichte fiel mir ein, als ich – tja, was wohl? – an einer Haltestelle stand und auf meine Bahn wartete. Es war im übrigen die Haltestelle Ettlingen-Stadt, und so mag man das Bild mitnehmen, wenn man die Geschichte liest. Gebunden an den Ort ist sie allerdings nicht.
Und mir fiel sofort der erste Satz ein, mit der „Nach Nirgendwo“ beginnt: „Er widerstand zu popeln.“ Das ist so ein Satz, von dem ich nicht mehr loskam. So kam es, dass ich die Geschichte im Kopf hatte, während ich irgendwann im Sommer 2012 heim fuhr und sie dann schrieb, kaum dass ich zuhause war. Da ich Geschichten meist nie am Stück herunter schreibe, nehme ich rückblickend an, dass ich auch hier einige Tage bzw. Abende am Werk war.

So übergebe ich jetzt direkt an die Geschichte selbst und das mysteriöse Ereignis, das sie beschreibt.
Viel Spaß beim Lesen!

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Nach Nirgendwo. Erzählung von Oliver Koch

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Nach Nirgendwo: Erzählung von Oliver Koch

Über Langeweile

Wo sie herrscht, duldet sie keine anderen Götter neben sich. Die Langweile ist ein gefräßiges Monster. Und sie hat einen schlechten Ruf. Dabei trägt sie ihn oft zu Unrecht. Langweile, das ist die Abwesenheit von allem: Aktivität, Vorankommen, Fortschritt. Da mäandert auch nichts. Ihr zu entkommen, ist ein Lebensprinzip geworden, ein Lustprinzip mehr oder weniger. Langeweile zu haben ist so verpönt, weil sie uns in einer ständig aktiven Gesellschaft Nichtstun und Stillstand verordnet. Weil während ihres Regiments nichts stattfindet, fühlt man sich ihr schnell ausgeliefert. Zeit wird verschwendet – übrigens sehen das auch die Faulen so. Denn auch wenn sie so faul sind, dass sie überhaupt nichts tun wollen, so empfinden auch sie Lust dabei, ihre Zeit faul zu genießen.
Langeweile regiert diesen Genuss.
Smartphones sind die ultimativen Langeweile-Verhinderer.
Soll das gut sein?

Immerhin ist Langweile auch so etwas wie ein verordneter Sekundenschlaf. Oder ein Nickerchen. In dieser Inaktivität betritt man immerhin einen Raum, in dem man sich einfach treiben lasen kann, nichts tun muss, nichts leisten muss. Auch wenn das zunächst als Horror empfunden werden kann, sind es gerade diese Pausen, die uns dazu bringen, gedanklich auch mal Luft zu holen. Wenn der Geist atmen will, dann braucht er Schlaf, Entspannung oder Langweile. Denn Aktivität oder einfache Zerstreuung bringen uns im Grunde auch nicht weiter.

Langweile, das ist dieser Zustand, den wir fürchten, weil wir über uns selbst sagen, nichts mit uns anfangen zu können. Ein Vakuum ist das, in das wir stürzen, und wir haben keine Möglichkeit, das Vakuum zu verlassen. Es ist an uns, zu warten, bis der Zustand von allein oder von außen vorübergeht – ein Gefühl des Ausgeliefertseins, in dem wir nicht Herr über uns selbst sind.
In Zeiten allgegenwärtiger Kontrolle über unsere Welt und Umwelt und der Vermessung unserer Aktivitäten ist nichts schlimmer, als warten zu müssen, bis etwas einfach vorübergeht. Eine Zumutung ist das, und wenn wir ehrlich sind, auch ein wenig wie eine Frechheit, die das Leben sich mit uns erlaubt, uns einfach zum Nichtstun zu verdammen.

Was jedoch ist gegen Langweile einzuwenden? Als naturgegebenes Regulativ unserer Sinne und Gedanken, die sich setzen, legen, neu sortieren können?
Zugegeben, als Dauerzustand ist sie grässlich, zumal sie dann in der Tat zu einem Kerker wird, in den man uns gesperrt hat.

Der Trick mag einfach sein, der Langweile anders zu begegnen: Sie als Chance zu sehen, als Geschenk. Als Auszeit, die uns hilft, die Dinge und uns selbst einfach sein zu lassen, wie sie sind.
Ich jedenfalls mag sie durchaus inzwischen von Zeit zu Zeit.

Video: Lesung meiner Erzählung „Bekenntnisse eines Diätwilligen“

Eine Geschichte, ein Fitnessstudio, eine Kamera: Mehr brauchte es nicht für meine Videolesung, in der ich meine groteske Erzählung „Bekenntnisse eines Diätwilligen“ las – im laufenden Betrieb meines Fitnessstudios.

Und um was geht es in „Bekenntnisse eines Diätwilligen“?
Die überdrehte Groteske nimmt den Abnehmwahn auf die Schippe. Das allerdings drastisch: Unsere Hauptfigur beginnt nach diversen Diäten zunächst damit, mit hemmungslosem Sex abzunehmen, bevor ihm eine weitere, weit effektivere Idee kommt. Und die macht ihn zum mehrfachen Mörder – aber was tut man nicht alles für eine gute Figur …

Wie es dazu kam? Für die Literaturtage hatte ich die Idee einer Lesereihe namens „Literaturort“: Hier sollten Autorinnen und Autoren mit Kameras bewaffnet an Orte gehen, die nichts mit Literatur zu tun haben, und mit ihrer Lesung diese Orte „mit Literatur aufladen“ und sie damit zu Literaturorten zu machen.
Mein Gedanke dahinter war, dass Literatur nicht nur überall stattfindet, sondern auch entsteht, als Teil und auch als Resultat des Alltags.
Die Lesereihe fand dann in einer öffentlichen Lesung im KOHI Kulturraum in der Karlsruher Südstadt ihren Abschluss.

„Bekenntnisse eines Diätwilligen“ entstand als eines der Videos, mit denen ich „in Vorleistung“ ging.

Viel Spaß wünsche ich.

Oliver Koch: Meine Erzählung „Spanplatte weiß“ als kostenloses eBook

Worum geht es in meiner Erzählung „Spanplatte weiß“, die hier als eBook kostenlos heruntergeladen werden kann?
Auch wenn die Bar „Olymp“ heißt, so zeigt sie auf dem Gang zur Toilette ihr wahres Gesicht. Das ist nicht das einzig Seltsame, das die Hauptperson in „Spanplatte weiß“ erleben wird. Denn erstens kommt alles anders, und zweitens, als man denkt. So kann er nicht ahnen, was sich gleich hinter der Spanplatte weiß abspielen wird, und was dann über ihn hereinbricht.

„Spanplatte weiß“ aus dem Jahr 2015 erzählt nicht nur eine kuriose Begebenheit, sie hat auch eine kursiose Entstehungsgeschichte hinter sich: Zuerst war sie nämlich als Horrorstory geplant, die mit der Vorstellungskraft der Hauptperson und des Lesers gespielt hätte und die äußerst blutig geworden wäre.
Doch es kam alles anders.
Auf halber Strecke gefiel mir der Gedanke einfach nicht mehr, und so entstand etwas komplett Neues, mit dem ich so auch nicht gerechnet hätte.

Im Rahmen der Lesereihe „bento.dühne“ las ich „Spanplatte weiß“ denn auch in einer ersten Form, die sich zu der nun als eBook vorliegenden nur leicht unterschied.

Ich sage einfach mal: Viel Spaß beim Lesen.

eBook für Leser mit tolino, Kobo im EPUB-Format kostenlos downloaden:
Spanplatte Weiß – Oliver Koch

ebook für Leser mit Kindle und anderen Geräten im MOBI-Format kostenlos downloaden:
Spanplatte Weiß – Oliver Koch

Meine Erzählungen als eBooks online

Ich werde nun damit beginnen, auf meinem Blog nach und nach Erzählungen von mir kostenlos als eBook zu veröffentlichen. Jedes steht für den Einsatz von eReadern in den Formaten .MOBI, EPUB sowie AZW3, damit sie auf allen gängigen Readern wie Kindle, tolino und anderen lesbar sind.

Auch die Cover stammen von mir. Ich habe mich für einen durchgehenden Stil entschieden, damit meine Bücher auch erkennbar sind. Außerdem möchte ich möglichst viel selbst über das eBook bestimmen. Die Cover sind mir daher eine Herzensagenelgenheit, die mir großen Spaß macht.

Wer mag, kann sich die Dateien einfach herunterladen und lesen, ich freue mich über Leser und auch über Meinungen und Diskussionen. Gerne über Kommentare, oder auch per E-Mail. Und wer mich kennt und mich trifft, kann es mir auch persönlich mitteilen, was er findet.

Ab morgen kommt die erste Erzählung online: Es wird die schräge Geschichte „Spanplatte weiß“ sein. Ab dann soll einmal pro Woche zum Wochenende eine neue Erzählung erscheinen.
Viel Spaß beim Lesen!

Gleich nebenan wartet die bessere Welt

Gleich nebenan ist sie: Die bessere Welt.
In der Milch und Honig fließen, in der alles besser ist, in der das glückliche Leben auf uns wartet – Physiker halten Paralleldimensionen für möglich, auch wenn hier der wissenschaftliche Beweis fehlt. Wenn er denn je kommt. Oder sich das Ganze nur als Hirngespinst herausstellt.
Paralleldimensionen, unendliche von ihnen heißt: Unsere Realität immer leicht abgewandelt. Man könnte hineintreten und auswählen, welche einem lieber ist. Eine Realität, in der es 9/11 nicht gab und damit den darauf eingeschlagenen Lauf der Weltgeschichte nicht. Eine Realität, in der wir einen beruflichen Weg nicht verlassen, sondern weiterverfolgt haben. Eine Realität, in der ein Mensch, den wir liebten, noch lebt. Eine, in der wir den Lottogewinn von etlichen Millionen doch abgestaubt haben. Eine, in der wir Mut hatten, Dinge zu tun und Schritte zu gehen, die wir in unserer Welt zu feige sind, anzugehen.
Das klingt zunächst verlockend.
Wenn da die Gier nicht wäre.

Denn glauben wir allen Ernstes, wir werden in der Parallelwelt glücklicher? Sicher, die Euphorie nach dem erfolgten Übertritt wäre immens! Geschafft, erreicht, gesiegt! Doch da sind ja die vielen kleinen Nadelstiche, die diese Realitäten für uns nach wie vor bereithalten. Schließlich wäre nicht automatisch alles korrigiert, was uns stören könnte. Und so begänne die Mäkelei dennoch, wenn nicht gar das pure Unglück. Plötzlich oder im Lauf der Zeit stellen wir fest, dass das Bett, in das wir gestiegen sind, voller Flöhe ist oder der Wunschpartner schnarcht, furzt, uns betrügt, ein Tyrann wird oder Invalide, der Job, wegen dem wir den Übertritt getan haben, endet durch eine Firmenpleite oder wir werden ausgeraubt oder das Haus brennt nieder und dann stehen wir da und rufen den Bauchladen herbei, der uns bitte die möglichen Alternativwelten reichen möge, auf dass wir erneut auswählen könnten.
Sorry, die Realität war nix, ein Fehler, kann ich die umtauschen? Habe ich nicht ein Recht auf Umtausch? Und überhaupt, was ist mit Kulanz? Das ist doch kein Service!

Gleich nebenan ist sie: Die bessere Welt.
Denken wir.
Und ja, der Gedanke an die zumindest hypothetisch möglichen Parallelwelten, -dimensionen oder -realitäten (welcher Begriff zu einem besser passt, möge jeder selbst entscheiden), ist verlockend. Ein Lügner, wer ein Inbetrachtziehen nicht wenigstens einmal in Betracht zieht.
Nur um dann herauszufinden:
Gleich nebenan, da ist sie: Eine Welt wie jede andere. Und irgendwie auch wie unsere jetzige. Andere Dinge sind anders, besser möglicherweise auch, nur der Rest der ist ja auch noch da. Wir werden schon Wege finden, unzufrieden zu sein.
Irgendwas ist schließlich immer.